escalation of commitment

Wer mich kennt weiß, dass ich mich nicht nur gern mit Software beschäftige, sondern auch mit Bergsteigen und Klettern. Darin bin ich zwar nicht richtig gut, aber man muss sich ja mit irgendwas in seiner Freizeit beschäftigen :-).
Beim Bergsteigen beschäftigt man sich sehr viel mit Risikomanagement. Bei jeder Tour die man plant versucht man natürlich das Risiko zu minimieren. Jedoch weiß man auch, dass man es nicht vollständig eliminieren kann. Denkt man darüber mal genauer nach spielt man vielleicht des öfteren mit seinem Leben, und wenn einem das bewusst ist, ist dies ja auch ok.

Vor längerem bin ich über den Ausspruch "escalation of commitment" gestoßen, und er lässt mich nicht mehr los. Ich finde einfach so viele parallelen von dem Risikomanagement am Berg zum Risikomanagement beim Software Entwickeln. Und nicht nur das, ich lerne damit auch Leute und deren Reaktionen auf Kritik besser zu verstehen.

Aber nun zuerst einmal zu dem Zitat:

Je mehr wir in eine Entscheidung investiert haben (zB in Form von Geld, Aufstiegsmühen, Vorbereitungszeit, usw.), desto stärker fühlen wir uns dieser Entscheidung verbunden bzw. verpflichtet. Wir sind auch dann noch bereit, weitere Energien, Mühen und erhebliche Risiken in die getroffene Entscheidung zu stecken, wenn für einen neutralen Beobachter längst erkennbar ist, dass die Entscheidung unsinnig bzw. hoch riskant ist. entscheidungsfindung aus bergundsteigen 3/04

Ich selber konnte diese Reaktionen auch öfters bei Softwareprojekten erkennen, welche nicht ganz rund liefen. Die beteiligten Personen gehen oft in Tauchmodus und sind für Veränderungen nur sehr schwer zu motivieren. Änderungen werden dann oft als negativ bzw. als Zugeständnis von Fehlverhalten gesehen. Etablierte und oft bewährte Techniken, Vorgehensweisen oder auch Tools werden dann in Frage gestellt.

Verinnerlicht man sich das Zitat und denkt genauer darüber nach, kann man das auch verstehen. Umso mehr Respekt muss man dann doch jenen Menschen schenken, welche in solchen Momenten im wahrsten Sinne des Wortes die "Kurve kriegen" bzw. umdrehen.

Die Softwareentwicklung hat sich in den letzten Jahren extrem weiter entwickelt. Wir sind im Zeitalter der objektorientierten Sprachen, Skript-Sprachen versuchen gerade mal den Markt zu erobern. Was wir nun brauchen sind Projektmanager die jahrelang oder jahrzehntelang aufgebaute Weisheiten über Bord werfen und neue (agile) Techniken versuchen. Oder Entwickler die bereit sind sich neue Problemlösungsstrategien anzueignen und neue (agile) Vorgehensweisen umsetzen.

Charlie Poole meinte in seinem Vortrag immer wieder: Separation of concern is one of the main principle from object oriented programming. Was für mich ein synonym dafür ist, dass man sich einem Paradigmen wechsel unterziehen muss, wenn man von einer prozeduralen auf eine objektorientierte Sprache umsteigt.

Die Einführung von Agilen Methoden in ein Unternehmen kann oft einem Kulturschock gleich kommen. Das selbige kann einem auch passieren wenn man direkt von der Uni in einem konservativ geführtem Unternehmen Fuß fasst.

escalation of commitment hat im Agilen eigentlich keinen Platz. Dort wird versucht Entscheidungen so spät wie möglich zu treffen, also mit dem Maximum an Wissen.